{"id":13874,"date":"2016-07-18T22:00:00","date_gmt":"2016-07-18T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/starthostunlimiteddmffassi-ss.stackstaging.com\/etfworld.ch\/home\/vl27cm72\/etfworld.ch\/wp\/index.php\/2016\/07\/18\/wisdomtree-europe-vom-abe-neid-zur-japan-praemie\/"},"modified":"2016-07-18T22:00:00","modified_gmt":"2016-07-18T22:00:00","slug":"wisdomtree-europe-vom-abe-neid-zur-japan-praemie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.etfworld.com\/ch\/wisdomtree-europe-vom-abe-neid-zur-japan-praemie\/","title":{"rendered":"WisdomTree Europe: Vom \u201eAbe-Neid\u201c zur \u201eJapan-Pr\u00e4mie\u201c"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Jesper Koll, CEO von WisdomTree Japan<\/strong>, ver&ouml;ffentlicht in seinem Blog regelm&auml;&szlig;ig Analysen &uuml;ber Japan. Im nachfolgenden Beitrag &auml;ussert er sich &uuml;ber die wirtschaftspolitischen Auswirkungen von Abes Sieg bei den Oberhauswahlen&#8230;<\/p>\n<p>  <!--more-->  <\/p>\n<div style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"><strong>{loadposition notizie}<\/strong><\/div>\n<div>&nbsp;<\/div>\n<div><strong>von Jesper Koll, CEO von WisdomTree Japan<\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\">Aus seiner Sicht d&uuml;rfte sich die Erwartung, dass politisches Kapital vorrangig f&uuml;r die Verfassungsreform eingesetzt wird, jedoch als ein gro&szlig;es Missverst&auml;ndnis der grundlegenden Philosophie Abes und seiner Vision f&uuml;r Japan erweisen, denn ohne eine starke Wirtschaft bleibt die Verfassungsreform bedeutungslos.<\/div>\n<div>&nbsp;<\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\">Premierminister Abe hat j&uuml;ngst einen entscheidenden Sieg in den Oberhauswahlen erzielt. Seine Regierungskoalition hat jetzt eine &bdquo;Super-Mehrheit&ldquo; in beiden H&auml;usern des Parlaments, das hei&szlig;t, de facto mehr als zwei Drittel der Parlamentssitze[1]. Im Gegensatz zu vielen westlichen Demokratien, die in eine Phase von Machtvakuum und F&uuml;hrungsschw&auml;che eingetreten sind, pr&auml;sentiert sich das &bdquo;Team Abe&ldquo; als der unangefochtene Sieger unter den demokratisch gew&auml;hlten politischen F&uuml;hrern weltweit. Der &bdquo;Abe-Neid&ldquo; geht jetzt in der globalen politischen Elite um. Wenn entsprechend meinen Erwartungen das &bdquo;Team Abe&ldquo; in den n&auml;chsten drei bis vier Monaten eine starke wirtschaftspolitische Leistung zeigt, k&ouml;nnte sich eine &bdquo;Japan-Pr&auml;mie&ldquo; in den japanischen M&auml;rkten f&uuml;r Risikoanlagen entwickeln. Aus meiner Sicht wird Japan bedeutende, kreative und koordinierte Anreize bieten. Dies beinhaltet eine Stimulierung, die 2&nbsp;% des BIP entspricht, den Beginn des &bdquo;Drohnengelds&ldquo; in Form direkter Geldtransfers an bestimmte Gruppen von Haushalten und die faktisch unmittelbare Finanzierung durch die Bank of Japan (BoJ).<\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wie wird Premier Abe seine historisch vollkommen neue parlamentarische Macht nutzen?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zahlreiche Kommentare zeigen Bedenken, dass der Premierminister sich jetzt auf eine seiner Herzensangelegenheiten, die Verfassungsreform, konzentrieren wird. Technisch bietet ihm die Zweidrittelmehrheit diese M&ouml;glichkeit. Es trifft zu, dass Abe fest davon &uuml;berzeugt ist, dass Japan eine Verfassung verdient, die das eigene Volk geschrieben hat, statt der aktuellen, die den Japanern von den Amerikanern nach dem Pazifischen Krieg verordnet wurde. Abe ist in dieser Angelegenheit sehr offen und es steht au&szlig;er Frage, dass die Verfassungsreform ein wichtiger Punkt auf seiner Agenda f&uuml;r Japan bleibt[2].<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aus meiner Sicht d&uuml;rfte sich die Erwartung, dass das politische Kapital vorrangig f&uuml;r die Verfassungsreform eingesetzt wird, jedoch als ein gro&szlig;es Missverst&auml;ndnis der grundlegenden Philosophie Abes und seiner Vision f&uuml;r Japan erweisen. Premier Abe modelliert die Grundlage und Vision seiner Philosophie auf dem Kampfruf aus der Meiji-Epoche &bdquo;Fukoku Kyohei&ldquo; &#8211; &bdquo;Starkes Land, starke Armee&ldquo;. Es geht hier nicht um ein Nullsummenspiel von Entweder-Oder, sondern um eine sehr wechselseitige Beziehung: Ohne eine starke Wirtschaft bleibt die Verfassungsreform bedeutungslos.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Globale Ambitionen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach unserem Verst&auml;ndnis ist ihm bewusst, dass die Verfassungsreform ein hohes Risiko enth&auml;lt, dass sowohl im Inland als auch aus dem Ausland politisch zur&uuml;ckgeschossen wird, wenn die Wirtschaft weiterhin stagniert. Abe verfolgt das Ziel, dass Japan ein Land wird, das Bewunderung und Respekt durch die Eliten Asiens und der Welt auf sich zieht. Das ist ohne eine starke Wirtschaft nicht m&ouml;glich. Weder Amerika noch China w&uuml;rden einen F&uuml;hrer respektieren, der Wachstum und Wohlstand verspricht, aber niemals liefert. Aus globaler Machtperspektive w&uuml;rde Japan zur&uuml;ck in die Bedeutungslosigkeit fallen, wenn die &bdquo;Abenomics&ldquo; versagen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Letztendlich ist ein Nationalismus, der sich auf wirtschaftliche Stagnation st&uuml;tzt, weder eine Bedrohung noch eine Chance f&uuml;r die Au&szlig;enwelt. Ohne einen Erfolg der &bdquo;Abenomics&ldquo; fehlt Abe schlicht und einfach die Finanzierung f&uuml;r seine nationalen Ambitionen. Je schw&auml;cher die Wirtschaft sich entwickelt, umso gr&ouml;&szlig;er wird Japans Abh&auml;ngigkeit von internationalem Kapital, ausl&auml;ndischer Technologie und Arbeitskr&auml;ften werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Glaubw&uuml;rdigkeit im eigenen Land<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch im Inland w&uuml;rde eine nationalistische Agenda und eine schwerf&auml;llige Konzentration auf die Verfassungsreform bedeutungslos werden, wenn die &bdquo;Abenomics&ldquo; scheitern. Wenn Abe keinen &bdquo;Wohlf&uuml;hlfaktor&ldquo; f&uuml;r die betroffenen Menschen und Unternehmen schaffen kann, werden sie sich zwangsl&auml;ufig fr&uuml;her oder sp&auml;ter gegen ihn wenden. Schlie&szlig;lich ist Japan eine funktionierende Demokratie mit zahlreichen kommunalen, regionalen und nationalen Wahlen. Wenn die &bdquo;Abenomics&ldquo; die Erwartungen nicht erf&uuml;llen, w&uuml;rde eine gegen Widerstand durchgesetzte Verfassungsreform rasch die Machtaneignung einer einzigen Partei blo&szlig;stellen und zwangsl&auml;ufig die Oppositionskr&auml;fte einigen und ermutigen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn &uuml;berhaupt, dann hat der deutliche Sieg der &bdquo;Abenomics&ldquo; bei den Wahlen am Sonntag die Latte f&uuml;r Abe als wirtschaftliche F&uuml;hrungskraft h&ouml;her gesetzt. Jetzt hat er keine Ausreden mehr und muss diesen &bdquo;Wohlf&uuml;hlfaktor&ldquo; liefern, den er den betroffenen W&auml;hlern und Unternehmen versprochen hat. Der Druck liegt an &#8211; die Regierungszeit Abes endet in zwei Jahren (September 2018).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Abes Agenda &#8211; Verbindung der Bank of Japan (BoJ) und des Finanzministeriums (MoF) in einem Paket<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ab jetzt ist die wirtschaftspolitische Agenda relativ einfach. Zun&auml;chst hat die Ausdehnung der Fiskalpolitik die gr&ouml;&szlig;te Bedeutung. Premier Abe hat bereits angeordnet, ein zus&auml;tzliches Anreizpaket zusammenzustellen. Hier liegt die Bedeutung nicht nur in der Gr&ouml;&szlig;e, sondern in der tats&auml;chlichen Verkn&uuml;pfung der Fiskalexpansion mit den geldpolitischen Anreizen. Nahezu alle Wirtschaftsberater von Abe stimmen zu, dass Geldpolitik allein zunehmend wirkungslos geworden ist, um Wachstum anzukurbeln. Der Knackpunkt liegt darin, dass das &bdquo;Team Abe&ldquo; tats&auml;chlich die BoJ-Agenda mit derjenigen des MoF verkn&uuml;pft. In anderen Worten: Der n&auml;chste Zug der BoJ muss zwangsl&auml;ufig die De-facto-Finanzierung des bevorstehenden Erg&auml;nzungshaushalt sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An dieser Stelle ist zu bemerken, dass &#8211; anders als in fr&uuml;heren Jahren &#8211; Japan keine unerwarteten Steuereinnahmen hat, um die zus&auml;tzlichen Aufwendungen zu finanzieren. Die einzige Option ist daher eine Defizitfinanzierung, wenngleich in Japan eine M&ouml;glichkeit au&szlig;erhalb der Bilanz existiert: Zus&auml;tzliche &ouml;ffentliche Investitionen k&ouml;nnen durch das Fiskalische Investitions- und Kreditprogramm (FILP) &uuml;ber die Begebung sogenannter &bdquo;Zaito-Bonds&ldquo; finanziert werden[3]. Der Unterschied zu Defizit-Anleihen liegt technisch darin, dass diese projektbezogen sind und nicht aus Steuereinnahmen getilgt werden d&uuml;rfen. Auf dem Anleihenmarkt werden die &bdquo;Zaito-Bonds&ldquo; jedoch genau wie andere JGBs gehandelt und die BoJ darf &bdquo;Zaito-Bonds&ldquo; kaufen. Wenn man von einem Erg&auml;nzungshaushalt von rund 8-10 Billionen Yen bzw. 1,5&nbsp;% bis 2&nbsp;% des BIP ausgeht, d&uuml;rfte die BoJ ihre auf quantitative Stimuli ausgerichtete Bilanz von derzeit 80 Billionen Yen auf 88-90 Billionen Yen ausweiten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Auf die Gr&ouml;&szlig;e kommt es an<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie gro&szlig; wird der Erg&auml;nzungshaushalt ausfallen? Die Regierungs&ouml;konomen sch&auml;tzen die derzeitige Produktionsl&uuml;cke auf rund 5-6 Billionen Yen, also rund 1&nbsp;% bis 1,2&nbsp;% des BIP. Von dieser Gr&ouml;&szlig;e muss man ausgehen. Vermutlich nicht zuf&auml;llig sch&auml;tzen die Technokraten, dass Wiederaufbauprojekte als Folge des j&uuml;ngsten Erdbebens in Kumamoto sich auf rund 4-5 Billionen Yen summieren werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dar&uuml;ber hinaus k&ouml;nnte die F&ouml;rderung der neuen &bdquo;Industry&nbsp;4.0&ldquo;-Initiative von Abe &#8211; FINTEC, Robotik, Gesundheitswesen, F+E usw. &#8211; etwa 1-3 Billionen Yen ausmachen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>&bdquo;Drohnengeld&ldquo;<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zus&auml;tzlich konzentrieren sich die Abenomics auf die wirtschaftliche Inklusion der berufst&auml;tigen Armen, Frauen, armen Rentner und die Jugend. Direkte Geldtransfers an diese Gruppen sind jetzt Bestandteil der politischen Debatte. W&auml;hrend die Medien dies als &bdquo;Helikoptergeld&ldquo; bezeichnen, ziehen wir den Ausdruck &bdquo;Drohnengeld&ldquo; vor, da es sich um eine zielgenaue Platzierung bei bestimmten Bev&ouml;lkerungsgruppen handelt. Die technischen Details des Transfers von Geldern aus dem Haushalt bei diesen Zielgruppen m&uuml;ssen noch ausgearbeitet werden, jedoch d&uuml;rfte von rund 1,5 bis 2 Billionen Yen direkter Transfers in die Privathaushalte ausgegangen werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wann ist damit zu rechnen?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die technischen Aspekte der Zusammenstellung dieses unorthodoxen Fiskalpakets &#8211; welches &bdquo;Drohnengeld&ldquo; als Geldtransfer zu speziellen Zielgruppen unter den Privathaushalten einschlie&szlig;t &#8211; werden fr&uuml;hestens in vier bis sechs Wochen ausgearbeitet sein. Premier Abe scheint auch eine Kabinettsumbildung f&uuml;r Mitte August anzustreben[4]. In diesem Fall liegt aus unserer Sicht der Schwerpunkt im Portefeuillezuschnitt des Finanzministeriums, dem Ministerium f&uuml;r Gesundheit, Wohlfahrt und Arbeit sowie auf dem Ministerium f&uuml;r wirtschaftliche Koordination. Au&szlig;erdem steht eine Umbesetzung im Beitrat f&uuml;r Vorschriften und Regulierungen an, einschlie&szlig;lich der F&uuml;hrungskr&auml;fte aus der Privatwirtschaft. Aus unserer Sicht ist sich das &bdquo;Team Abe&ldquo; der Notwendigkeit sehr bewusst, das &ouml;ffentliche Image des Wirtschaftsf&uuml;hrerteams neu zu beleben. Wie dem auch sei, es ist mit einer festen Zusage f&uuml;r spezifische Haushaltsausgaben wahrscheinlich erst zu rechnen, nachdem die neuen Ressort-Zust&auml;ndigkeiten der Minister-Portefeuilles aufgeteilt sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Daher gehen wir davon aus, dass alle Einzelheiten der zus&auml;tzlichen fiskalischen und geldpolitischen Anreize Anfang September bekannt werden &#8211; kurz bevor Premier Abe seine Rede auf der Jahresversammlung der UN h&auml;lt. Aus unserer Sicht ist das &bdquo;Team Abe&ldquo; fest entschlossen, der Welt zu beweisen, dass es eine starke wirtschaftspolitische F&uuml;hrung beansprucht. Japan wird bedeutende, kreative und koordinierte Anreize bieten &#8211; insgesamt eine Stimulierung, die 2&nbsp;% des BIP entspricht, der Einsatz von &bdquo;Drohnengeld&ldquo; in Form direkter Geldtransfers an bestimmte Gruppen von Haushalten und die faktisch unmittelbare Finanzierung durch die Bank of Japan.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn man zus&auml;tzlich bedenkt, dass japanische Aktien zuletzt preiswert notieren, hat man eine solide Begr&uuml;ndung f&uuml;r h&ouml;here Allokationen in japanischen Aktien.<\/p>\n<div style=\"text-align: justify;\">\n<hr style=\"color: black; text-align: left;\" noshade=\"noshade\" size=\"2\" width=\"33%\" \/><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">[1] Yoko Wakatsuki und Juliet Perry, &ldquo;Japanese Election: Shinzo Abe Declares Victory&rdquo;, CNN (Juli 2016)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">[2] Yoko Wakatsuki und Juliet Perry, &ldquo;Japanese Election: Shinzo Abe Declares Victory&rdquo;, CNN (Juli 2016)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">[3] JiJi, &bdquo;Japan Mulling Cut in Minimum Interest on &sbquo;Zaito&lsquo; Fiscal Loans&ldquo;, The Japan Times (Juni 2016)<\/p>\n<p>[4] Isabel Reynolds und Andy Sharp, &ldquo;After Convincing Election Win, Abe Set for Some Tough Battles&rdquo;, Bloomberg (Juli 2016)<\/p>\n<p>Quelle: ETFWorld.ch<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jesper Koll, CEO von WisdomTree Japan, ver&ouml;ffentlicht in seinem Blog regelm&auml;&szlig;ig Analysen &uuml;ber Japan. 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