{"id":12892,"date":"2013-11-25T06:00:00","date_gmt":"2013-11-25T06:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/starthostunlimiteddmffassi-ss.stackstaging.com\/etfworld.ch\/home\/vl27cm72\/etfworld.ch\/wp\/index.php\/2013\/11\/25\/deutschland-bekaempft-inflationsgefahr-koennte-deutschland-zum-naechsten-spanien-werden\/"},"modified":"2013-11-25T06:00:00","modified_gmt":"2013-11-25T06:00:00","slug":"deutschland-bekaempft-inflationsgefahr-koennte-deutschland-zum-naechsten-spanien-werden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.etfworld.com\/ch\/deutschland-bekaempft-inflationsgefahr-koennte-deutschland-zum-naechsten-spanien-werden\/","title":{"rendered":"Deutschland bek\u00e4mpft Inflationsgefahr \u2013 k\u00f6nnte Deutschland zum &#8222;n\u00e4chsten&#8220; Spanien werden?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Obwohl die Eurozone die sechs Quartale andauernde Double-Dip-Rezession jetzt hinter sich gelassen hat, wird die Arbeitslosenrate in der Region noch mindestens sechs weitere Quartale lang bei rund 12 % und die Inflationsrate deutlich unter 2 % verharren. &#8230;<\/p>\n<p>  <!--more--> <\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>von Willem Verhagen, Volkswirt bei ING Investment Management<\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: justify;\">S\u00e4he sich die US-Notenbank Fed mit solchen Zahlen konfrontiert, h\u00e4tte sie mittlerweile alle Register gezogen, um die USA vor einer Inflationsspirale \u00e0 la Japan zu bewahren. Die eigentliche Frage lautet daher nicht etwa, warum die EZB die Zinsen im November gesenkt hat, sondern warum das nicht fr\u00fcher und offensiver geschehen ist. Die Antwort w\u00fcrde wahrscheinlich Hinweise auf die vermeintlich \u00fcberwiegend strukturelle Arbeitslosenrate, die Notwendigkeit von Reformdruck et cetera beinhalten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch auch die interne Politik im Zentralbankrat wird eine grosse Rolle gespielt haben. In den letzten paar Jahren haben prominente Notenbanker wie Weidmann, Asmussen, Knot und Nowotny (aus Deutschland, den Niederlanden und \u00d6sterreich) unkonventionelle EZB-Massnahmen wie das &#8222;Securities Markets Programm&#8220; und das &#8222;Outright Monetary Transactions Programm&#8220; kritisiert, da es sich dabei um eine Form der monet\u00e4ren Finanzierung handle. Aus ihrer Sicht kommt dies einer geldpolitischen Tods\u00fcnde gleich, die um jeden Preis zu vermeiden sei, selbst wenn dies den Euro in seiner Existenz bedroht. Diese Kluft zwischen den \u201eFalken\u201c aus dem Norden und den \u201eTauben\u201c aus dem S\u00fcden im Zentralbankrat setzt sich jetzt auch im wirtschaftspolitischen Bereich fort. Die Falken sind anscheinend bereit, eine Inflationsrate hinzunehmen, die beharrlich hinter dem Zielwert zur\u00fcckbleibt. Nur so ist ihrer \u00dcberzeugung nach zu verhindern, dass irgendwann in ferner Zukunft die Inflationsrate \u00fcber den Zielwert klettert oder sich kreditgetriebene Kursblasen bilden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aus unserer Sicht sind letztere Risiken f\u00fcr den Euroraum insgesamt angesichts des ged\u00e4mpften BIP- und Kreditwachstums in j\u00fcngerer Zeit, das sich vorerst fortsetzen d\u00fcrfte, extrem gering. Gleichwohl sind sie f\u00fcr Deutschland \u2013 isoliert gesehen \u2013 sicherlich real. Und genau so sollte das in einer W\u00e4hrungsunion auch sein. Vor 2008 war das Gegenteil der Fall. Die Geldpolitik war zu locker f\u00fcr die Peripherie, daher kam es zu einer Negativspirale zwischen steigender Inflation, sinkenden Realzinsen, weiter steigender Nachfrage und weiter steigender Inflation. F\u00fcr Spanien etwa war die Geldpolitik zu locker, weil Deutschland eine von Strukturreform und Lohnzur\u00fcckhaltung angetriebene interne Abwertung durchlief. H\u00f6rt sich bekannt an? Jetzt hat sich das Blatt gewendet und Deutschland sieht sich mit einer Geldpolitik konfrontiert, die zu locker f\u00fcr den heimischen Bedarf ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Prozesse, bei denen zunehmende Divergenzen zwischen den einzelnen L\u00e4ndern eine Negativspirale ausl\u00f6sen, weil sie ein und demselben Schl\u00fcsselzins unterliegen, sind in einer unvollst\u00e4ndigen W\u00e4hrungsunion unvermeidlich. Das liegt daran, dass es an Ausgleichsmechanismen in Form unionsweiter Fiskaltransfers und hoher Arbeitskr\u00e4ftemobilit\u00e4t fehlt. Damit stellt sich die Frage, ob Deutschland v\u00f6llig hilflos zusehen muss, wie es allm\u00e4hlich zum \u201en\u00e4chsten Spanien\u201c wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Soweit es die Immobilien- und Kreditblase betrifft, muss die Antwort ein klares \u201eNein\u201c sein. Deutschland kann und muss makroprudenzielle Massnahmen nutzen, um das Risiko eines kreditgetriebenen (Immobilien-)Preisbooms zu reduzieren. Beim gegenw\u00e4rtigen Niveau von Verschuldung und H\u00e4userpreisen ist das Risiko einer Blasenbildung nach wie vor gering. Insofern sind ein gewisses Mass an erneuter Fremdmittelaufnahme der deutschen Haushalte und h\u00f6here H\u00e4userpreise dazu angetan, die Konsumausgaben in Deutschland zu f\u00f6rdern. So k\u00f6nnte u. a. das gewaltige deutsche Leistungsbilanzdefizit zum Teil abgebaut werden. Doch wie wir alle wissen, kann ein kreditgetriebener Immobilienboom schnell aus dem Ruder laufen. Die aufsichtsrechtlichen Instanzen m\u00fcssen also wachsam bleiben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Gegensatz dazu k\u00e4me es unserer Ansicht nach einem Kampf gegen Windm\u00fchlen gleich, sollte Deutschland versuchen, den Aufw\u00e4rtsdruck auf die Inflationsrate zu bek\u00e4mpfen. Tats\u00e4chlich ist es sogar so, dass die Eurozone nur dann ein Gleichgewicht schaffen und dabei zugleich Preisstabilit\u00e4t mit einer EWU-weiten Teuerungsrate von 2 % wahren kann, wenn die Inflation in Deutschland deutlich \u00fcber 2 % oder sogar \u00fcber 3 % liegt. Sofern Deutschland seine eng begrenzten nationalen Interessen weiter verfolgen und die Inflation in Deutschland bei h\u00f6chstens 2 % halten will, so verdammt das Land die EWU-Peripherie damit zu einer h\u00f6heren Deflationsgefahr und in jedem Fall zu einer l\u00e4nger anhaltenden Durststrecke.&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die kann letztlich auch nicht im Interesse Deutschlands sein. Anhaltend hohe Arbeitslosenzahlen an der Peripherie sind gleichbedeutend mit einer steigenden Gefahr sozialer Unruhen, die im Ergebnis zur Wahl populistischer EWU-feindlicher Regierungen f\u00fchren k\u00f6nnten. Dann w\u00fcrden sich die Turbulenzen an den Finanzm\u00e4rkten mit aller Macht zur\u00fcckmelden. Zudem wird eine hohe \u00f6ffentliche und private Verschuldung immer weniger tragbar, je l\u00e4nger das niedrige nominelle Wachstum in der Region anh\u00e4lt. Die L\u00e4nder an der Euro-Peripherie sind weitgehend im Ausland verschuldet, und einmal darf man raten, welches Land zu den gr\u00f6ssten Gl\u00e4ubigern z\u00e4hlt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Inflationsd\u00e4mpfende Wirkung des WKM wohl immer noch pr\u00e4sent<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Deutschlands offensichtlicher Unwille, eine h\u00f6here Inflationsrate zuzulassen, legt nahe, dass die inflationsd\u00e4mpfende Wirkung des Wechselkursmechanismus (WKM) unver\u00e4ndert pr\u00e4sent ist. Mit anderen Worten: Wann immer die Entwicklungen innerhalb des WKM zu stark voneinander abwichen, hatte der Anpassungsprozess symmetrisch zu verlaufen. Da Deutschland das Land mit der h\u00f6chsten geldpolitischen Glaubw\u00fcrdigkeit war, bedeuteten Spannungen im System stets einen Aufw\u00e4rtsdruck auf die D-Mark. Zum Ausgleich sollte Deutschland die inl\u00e4ndische Geldmenge durch Kapitalzufl\u00fcsse anschwellen lassen, so dass im Ergebnis die Zinsen sanken und die Teuerung stieg. Dasjenige Land, dessen W\u00e4hrung unter Abwertungsdruck stand, sollte das Gegenteil tun und seine Geldmenge schrumpfen lassen, um so h\u00f6here Zinsen und niedrigere Inflation zu beg\u00fcnstigen. In der Praxis sterilisierte Deutschland indes seine Kapitalzufl\u00fcsse. Dadurch blieben Zinsen und Inflation in Deutschland unver\u00e4ndert. Das bedeutete, dass die anderen L\u00e4nder die Zinsz\u00fcgel im Verh\u00e4ltnis st\u00e4rker anziehen mussten, als dies idealerweise bei einer symmetrischen Anpassung der Fall gewesen w\u00e4re. Insgesamt implizierte dies f\u00fcr die gesamte Region eine straffere geldpolitische Ausrichtung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Prinzip wiederholt sich dieses Szenario jetzt wieder: Die Peripherie wird in einen massiven fiskalischen Schrumpfungsprozess gezwungen, ohne dass es in den Kernl\u00e4ndern zu einer \u2013 zumindest teilweise \u2013 ausgleichenden fiskalischen Expansion kommt. Was die Geldpolitik betrifft, scheint die EZB der volkswirtschaftlichen Entwicklung Deutschlands ein unverh\u00e4ltnism\u00e4ssig grosses Gewicht einzur\u00e4umen \u2013 gr\u00f6sser jedenfalls, als Deutschlands Anteil am BIP der EWU und ihrem Verbraucherpreisindex rechtfertigen w\u00fcrde. Das mag daran liegen, dass das politische Gewicht der \u201eKernfraktion\u201c im Zentralbankrat de facto den ihr de jure zustehenden Einfluss \u00fcbersteigt. Denn schliesslich ist der anhaltende gute Wille der deutschen Politik und des deutschen Volkes unerl\u00e4sslich f\u00fcr das langfristige \u00dcberleben des Euro.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch diese Strategie ist nicht ohne Risiko. Im Endeffekt waren die Folgen der asymmetrischen Anpassung im Rahmen des WKM zwar teuer, aber nicht verheerend. Falls die Kostenlast f\u00fcr ein Land zu schwer wurde, konnte es als letzter Ausweg seine W\u00e4hrung immer noch abwerten. Das Nachfolgesystem, die W\u00e4hrungsunion, ist als weitaus symmetrischerer Rahmen konzipiert, bei dem alle L\u00e4nder an den geldpolitischen Entscheidungen beteiligt sind. Damit w\u00e4ren sie eigentlich alle gleichsam f\u00fcr die \u00fcberregionalen Anpassungen verantwortlich. Jedenfalls sind inflationsd\u00e4mpfende Impulse das Letzte, was Europa derzeit braucht.<\/p>\n<p>Quelle: ETFWorld &#8211; ING Investment Management<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Obwohl die Eurozone die sechs Quartale andauernde Double-Dip-Rezession jetzt hinter sich gelassen hat, wird die Arbeitslosenrate in der Region noch mindestens sechs weitere Quartale lang bei rund 12 % und die Inflationsrate deutlich unter 2 % verharren. &#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":15580,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"telegram_tosend":false,"telegram_tosend_message":"","telegram_tosend_target":0,"footnotes":"","_wpscp_schedule_draft_date":"","_wpscp_schedule_republish_date":"","_wpscppro_advance_schedule":false,"_wpscppro_advance_schedule_date":"","_wpscppro_dont_share_socialmedia":false,"_wpscppro_custom_social_share_image":0,"_facebook_share_type":"","_twitter_share_type":"","_linkedin_share_type":"","_pinterest_share_type":"","_linkedin_share_type_page":"","_instagram_share_type":"","_medium_share_type":"","_threads_share_type":"","_google_business_share_type":"","_selected_social_profile":[],"_wpsp_enable_custom_social_template":false,"_wpsp_social_scheduling":{"enabled":false,"datetime":null,"platforms":[],"status":"template_only","dateOption":"today","timeOption":"now","customDays":"","customHours":"","customDate":"","customTime":"","schedulingType":"absolute"},"_wpsp_active_default_template":true},"categories":[27],"tags":[],"class_list":["post-12892","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-anlagestrategie-etf"],"blocksy_meta":{"styles_descriptor":{"styles":{"desktop":"","tablet":"","mobile":""},"google_fonts":[],"version":6}},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.etfworld.com\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12892","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.etfworld.com\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.etfworld.com\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.etfworld.com\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.etfworld.com\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12892"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.etfworld.com\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12892\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.etfworld.com\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/media\/15580"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.etfworld.com\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12892"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.etfworld.com\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12892"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.etfworld.com\/ch\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12892"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}